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2016-10-30 Heuchelheim - Erhard Barwick-006Thomas hatte in seinem Oktober-Newsletter eine Fahrt am 30. Oktober 2016 nach Heuchelheim zum Fotomuseum und anschließender Unsichermachung der Wetzlarer Altstadt eingeladen. Na, da waren wohl einige Mitglieder des Fotoclubs Feuer und Flamme. Für solche als Fotoapparatesammler war das genau das Richtige. Sofort wurde Thomas angemailt, ob ein "Fahrplatz" vorhanden sei. Dann... Google mal da, Heuchelheim hat ein Museum! - ein Fotomuseum! In der Wilhelmstraße 36. Das ist etwas für unsere Fotoenthusiaten, speziell für die "historisch" Angehauchten! - (böse Zungen reden von "alt"). Die Museums-Website sagt zwar schon viel aus ... aber abwarten!

Als der vorletzte Oktobertag an den Himmel kam, standen sieben Sonnen daran. Es war, wie vorausgesagt, "goldener Oktober". Nach kurzer Desorientierung in der Treffpunktabmachung ging es los. Leider nur vier Fotoclubber, darunter eine weibliche, also: 'Fotoclubberin". Der Pilot, Erhard, hat Jutta, Thomas und meine Wenigkeit durch den strahlenden Herbstmorgen sicher und souverän nach Heuchelheim kutschiert, so dass keine Wünsche übrig blieben. Da er sich offenbar dort auskennt, gab es keine Suche, sondern eine glatte Ziellandung.

Herr Jaedike, Museumsdirektor, erwartete uns schon gewissermaßen mit scharreden Füßen, um seinen Vortrag über die Fotografie, das Museum, die Firma MINOX, die herrlichen Exponate und das Backhaus, in dem das Museum untergebracht ist, zu halten. Es ist überwältigend schon beim Eintritt in das Museum. Sofort ist man umfangen von gefühlten tausenden Fotoapparaten. Dazu gesellen sich noch Plakate und Anzeigentafeln der einschlägigen Fotofirmen, die es alle einst in Deutschland gab. In allen Teilen Deutschlands hergestellte Fotoapparate sind hier zusammengetragen. Und es sind nicht nur gefühlte Tausende, es sind wirklich um die Zweitausendfünfhundert. Von Hamburg bis München, von Freital in Sachsen bis Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz. Von Wirgin in Wiesbaden und Plaubels aus Frankfurt. Es ist alles vorhanden.  Die Spionenkamera MINOX, es ist zwar nicht die Einzige im Spionenstand, aber die bekannteste, zerlegt in Ihre 175 Teile, (hier muss zugegeben werden, dass vielleicht zwei Teile auf oder ab dabei sind - wahlweise.) hängt hinter Glas an der Wand, schön eingerahmt.  Daneben ebenso "explodiert", Teile der Leica.

2016-10-30 Heuchelheim - Erhard Barwick-011Die in der Nähe von Heuchelheim ansässige Firma Leica ist selbstredend stark im Museum vertreten. Leica-Nachbauten anderer Firmen kann man von weitem erkennen. Leitz hat sich aber nicht die Butter vom Brot nehmen lassen und hat Plagiate erfolgreich verbannen lassen. Was zum Ergebnis führt, dass solche Exponate richtig rar sind. Das Museum in Heuchelheim aber ist im Besitz solch einer "verbotenen" Hensold. Klar, dass auch die Braunschweiger vertreten sind. Sowohl die Voigtländers, als auch die Franke & Heideckes. Nebenbei gesagt: Voigtländer hat früher begonnen als F. & H. Es musste auch so sein, denn sonst hätte Heidecke keine Lehrfirma gehabt, und somit bei einer Firma, die keine Fotos machte, lernen müssen. Vielleicht hätte er dann Fahrräder hergestellt oder Kaffekannen oder .... 

Wenn die schöne zweiäugige Rolleiflex mit Belichtungsmesser und allem sonstigen Komfort, das letzte Flaggschiff der Rollei Werke, auch im Museum  vorhanden war, war sie gut versteckt, denn es war nur die Ältere mit weniger Komfort zu sehen. En miniature war die Rolleiflex sogar zweifarbig vorhanden, hergestellt von Mino,. So konnten wir viele Namen lesen, die uns in der Fotografie etwas zu sagen haben: Agfa, Balda, Wirgin, Edixa, Kodak, Rollei 35, Zeiss Ikon, GevaBox, Altissa, Pentina - die in fast allen Farben - , Braun, Bilora, auch Yashica und Canon, Minolta und Nikon. Plattenkameras, Balgenkameras, Sucherkameras, Spiegelreflexen, Boxkameras, Rollfilmkameras, Kleinbildkameras, Kleinstbildkameras - Herz, was begehrst du? Es ist alles versammelt, wie es in einem Museum eben verSammelt sein soll. 

Herrn Jaedike, der ebenfalls Fotograf ist, sagen wir an dieser Stelle auch noch einmal Danke für die fundierte Führung durch zig Jahre Fotografie. Er hat uns viel seiner Zeit geopfert und geduldig unsere Unterbrechungen durch Fragen und Zwischenrufe hingenommen. Wir hoffen, dass er Nachfolger findet und wünschen uns, dass wir in Verbindung bleiben können.

2016-10-30 Heuchelheim - Erhard Barwick-036Das an den Museumsbesuch anschließende Mittagessen hat uns wieder Kraft verliehen und wir konnten zur nächsten Tat schreiten. Vorgesehen vom Programm war die allgemeine Verunsicherung der Wetzlarer Altstadt. Da uns aber durch die Besichtigung der alten Kameras und das Staunen über diese, viel Zeit gekostet hat, haben wir uns entschlossen in den näher gelegenen, zum Park umfunktionierten Friedhof in Gießen zu fahren und mit dem wirklich schönen Herbstwetter Lichtreflexe einzufangen. Die Sonne stand, wie Vormittags, vor einem herrlich blauen Himmel, sodass die bunten Herbstblätter bis auf den Film bzw. die Aufnahmesensoren der Kameras scheinen konnten. Nach Herzenslust wurde da auf den Auslöser gedrückt. Und nicht nur am Himmel hingen Objekte, nein, auch auf der Erde fanden sich interessante Gebilde, die zum Aufnehmen reizten. Da hatte doch tatsächlich eine Buche mit ihren Wurzeln die Einfassungssteine eines Grabes umschlungen. 

Solche Erfahrungen können nur noch durch Süßes getoppt werden. Im Kaffee in der Innenstadt von Gießen wurden alle Teilnehmer des Fotoausflugs bestens versorgt. Alle bekamen das, was sie sich wünschten. Auf der Heimreise hätten wir noch tausende Motive gehabt, konnten die auf der BAB aber leider nicht verwirklichen. Mit dem Gefühl eine gehaltvolle Fototour hinter sich zu haben, kamen wir nach der eingebrochenen Dunkelheit zu hause an.

Zitate

Man stößt überall in der Naturfotografie auf deutliche Grenzen, von denen man allerdings nicht weiß, ob es auch die eigenen sind, oder wo diese liegen.
Pölking, Fritz

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