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2017_Valencia_Thomas_Bartsch_3Valencia, die drittgrößte spanische Stadt, zelebriert buchstäblich die Unterschiede, von denen man so gerne spricht und von denen man auch so schnell verzaubert ist. Eingebettet von den Bergen im Norden und den Sümpfen im Süden zeigt sich an jeder Ecke der Stolz der Stadt auf ihre beeindruckende Vergangenheit. Die Baustile bewegen sich zwischen mittelalterlicher Gotik und prachtvollem Barock, aber vor allem trifft am auf die überall präsente Variante des Art Deco. 

Nachdem wir unser Hotel in der Altstadt bezogen hatten, erkundigten wir am frühen Abend die nähere Umgebung. Die Kathedrale mit ihrem gotischem Turm und den vielen Seitenkapellen beeindruckte ebenso wie der imposante Springbrunnen auf dem Plaza de la Virgen. Weiter führte unser Rundgang zu einem der zwei übrig geblieben Stadttore, dem spektakulären Torres de Serrano. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite liegt das ehemalige Flussbett des Turia, der Ende der 50er Jahre trockengelegt wurde und in dem sich heute ein Park mit vielfältigen Freizeitmöglichkeiten befindet. Zum kulinarischen Einstieg gab es abends galicische Tapas.

Der erste Gang am nächsten Morgen führte uns zum Mercado Central, dem 1928 eröffneten Markt im Modernismo-Stil. Er bietet auf 8000 qm frische Lebensmittel, hauptsächlich aus der Region. Das auffällige Marktdach besteht aus originellen Kuppeln und schräg eingesetzten Dächern auf mehreren Ebenen, während das Innere mit unterschiedlichen Materialien wie Metall, Holz, Keramik und farbigen Kacheln verkleidet ist. Die Schönheit des Komplexes wird durch das Tageslicht hervorgehoben, das durch diverse Oberlichter und farbige Glasfenster einfällt.

2017_Valencia_Klaus_Berkefeld_1Einen Regenguss und zwei leckere Café con leche später erkundigten wir dann den Estación del Norte, den Nordbahnhof - ebenfalls im Jugendstil und mit prachtvoller Schalterhalle sowie tollen Mosaiken und filigranen Holzarbeiten. Besonders berührend: In vielen Sprachen findet sich in Mosaiksteinen verewigt ein guter Wunsch für eine glückliche Reise. Und natürlich sieht man überall - versteckt und offen - das Wahrzeichen Valencias: die Apfelsine. Zur Zeit unseres Besuches war in der großen Bahnhofshalle zudem eine Sonderschau mit ca. 30 Modellen des Seat 600 zu sehen.

Einen sehr lohnenswerten Blick bot aber auch die herrschaftliche Hauptpost in der Stadtmitte: Ihre Attraktion ist ein riesiges Kuppeldach in der Schalterhalle sowie Arkaden, Leuchten und Briefkästen aus der Zeit der Jahrhundertwende.

Abends waren wir zu Besuch bei unserem Partner-Fotoclub in Valencia zu einer Vernissage eingeladen. Wie anständige Deutsche waren wir überpünktlich und brachten unsere Gastgeber damit zunächst leicht in Verlegenheit. Doch der Empfang war trotzdem herzlich und sehr interessiert. Dank Gisela, einer Deutschen im Fotoclub Valencia, und den Sprachkünsten von Klaus, war die Verständigung mit den spanischen Kollegen auch gar kein Problem. Wir präsentierten uns mit einer kleinen AV-Show mit einer Auswahl „Bilder des Monats“ der letzten Jahre, was sehr gut ankam – insbesondere die Schnee-Impressionen. Unsere Einladung zu einem Gegenbesuch blieb natürlich nicht aus. 

Wenn wir noch am Tag zuvor in der Markthalle Fische und Meerstiere eher in meist leblosem Zustand sahen, erlebten wir tags darauf deren quicklebendige Geschwister. Denn wir waren zu Besuch im L’Oceanogràfic, einem der größten Aquarien Europas. Quallen, Meerstiere und Fische aller Art, bis zu Haien, Walross und Pinguinen, selbst Krokodile und Schmetterlinge: Alles war vertreten. Das Aquarium ist ein Teil der Ciudad de las Artes y de las Ciencias (Stadt der Künste und Wissenschaften) - einem kulturellen und architektonischen Gebäude- und Parkkomplex. Dieses moderne Wahrzeichen der Stadt liegt im trockengelegten Flussbett des Turia. Der Komplex wurde von dem valencianischen Architekten Santiago Calatrava entworfen und 1998 eingeweiht. Ein Traum für alle Fotografen, doch unsere Freude wurde leicht getrübt, da das um das Wissenschaftsmuseum gelegene Wasserbecken trockengelegt war, um dort Vorbereitungen für eine Open-Air-Veranstaltung zu treffen. So mussten wir mit den restlichen, nicht minder eindrucksvollen Gebäuden vorlieb nehmen. 

2017_Valencia_Bernd_Klaue_11Nächster Tag, nächster Kontrast: Gisela und Angel vom Fotoclub Valencia holten uns zu einem Ausflug in den Naturpark La Albufera ab. Das Sumpfgebiet mit Seenlandschaft südlich der Metropole bietet eine einzigartige Artenvielfalt von Vögeln und Insekten. Von einem ruhigen Beobachtungspunkt aus konnten wir wilde Flamingos und jede Menge andere Wasservögel bestaunen. Hier in dieser Region befinden sich auch auf ausgedehnten Flächen viele Reisfelder mit einem ausgeklügelten Bewässerungssystem.

Am späten Mittag suchten wir den Schatten eines alten Maulbeerbaums in einem Restaurant in El Palmar auf. Hier gab es zur Stärkung die traditionelle und sehr leckere Variante der Paella Valenciana mit Huhn, Kaninchen, Riesenbohnen und grünen Bohnen. Nur vollständigheitshalber erwähnt und nicht zum Neidischmachen gedacht: Zur Vorspeise gab es geröstetes Weißbrot mit Knoblauchmayonnaise und frische geriebene Tomaten, einen Salatteller und zum Nachtisch Mandeleis und Espresso. Wohlig gesättigt machten wir schließlich auf dem Rückweg noch einen kleinen Umweg über die Hafenanlagen mit ihren alten Lagerhallen, dem Hafen des American Cups und der Strandpromenade.

Am Abend kurz vor Kassenschluss entschieden wir uns noch für einen raschen Abstecher ins Seidenmuseum. Belohnt wurden wir mit kathedralenähnlichen Säulenhallen und einem imposanten Atriumshof, in dessen Mitte Orangenbäume Schatten spendeten.

Doch wie so oft bei so schönen Reisen: Die Zeit verging viel zu schnell und wir wären sehr gerne noch länger geblieben. Doch ein Wiedersehen ist nicht ausgeschlossen. Diese Stadt ist schließlich nur 2 1/2 Stunden Flugreise von Frankfurt entfernt. Und für uns steht fest: Valencia ist nicht nur fotografisch gesehen ein Leckerbissen, sondern Valencia beeindruckt als eine Stadt der Kontraste, der Genüsse und selbstverständlich der netten Menschen.

Zitate

Man stößt überall in der Naturfotografie auf deutliche Grenzen, von denen man allerdings nicht weiß, ob es auch die eigenen sind, oder wo diese liegen.
Pölking, Fritz

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