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2015_Völklingen_GruppenbildKeine Ahnung, ob man nach drei Jahren schon von einer Tradition sprechen kann, aber wir sind auf dem besten Weg dahin. Zum dritten Mal machten wir einen Wochenendausflug. Wir nutzten in diesem Jahr den Tag der Deutschen Einheit für unseren Fotoausflug ins Saarland. 20 mehr oder weniger junge Mitglieder fuhren so am 3. Oktober 2015 zur 1873 gegründeten Völklinger Hütte.

Fotografen lieben Industrieruinen und rostigen Stahl. Bis die Produktion 1986 nach Dillingen verlegt wurde, wurde in der Völklinger Hütte in sechs Hochöfen Stahl gekocht. Und 1994 wurde das stillgelegte Stahlwerk, welches mitten in der Stadt liegt, zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt, ein weiteres Kapitel der wechselvollen Geschichte der Hütte und des Saarlandes.

2015_Völklingen_Markus_Karl_4Auf dem weitreichenden Gelände ist neben den musealen Dauerausstellungen zur Geschichte der Hütte und der Gründerfamilie auch Platz für Wechselausstellungen. So wurde in der Möllerhalle die internationale Kunstausstellung „Urban Art“ gezeigt. In der riesigen Gebläsehalle mit den mächtigen Generatoren ist die Ausstellung „Schädel“ zu sehen. Doch die Ausstellungen nahmen unsere Fotografen nur am Rande wahr, vielmehr lockten die Unmengen an Fotomotiven, die an einem Tag gar nicht zu schaffen waren.

Die einen erklommen die 27 Meter hohe Gichtbühne, von hier wurden die sechs Hochöfen bestückt, und hatten einen tollen Rundumblick über diesen Stahlmoloch, dem Gewirr aus Rohren und allem, was man braucht, um Stahl herzustellen. Die anderen zog es ins Paradies, eine gelungene Inszenierung, wie sich die Natur die Industrieruine zurückerobert.

2015_Thomas Bartsch Völklingen 1Begleitet wurden wir von fünf Mitgliedern des örtlichen Fotoclubs, teilweise ehemalige Mitarbeiter des Werks, die wertvolle Tipps zum Fotografieren sowie Einblicke in den Alltag auf der Hütte gaben. An dieser Stelle vielen Dank an Jürgen und seine Mitstreiter.

Am späten Nachmittag checkten wir in unserem (4-Sterne)Hotel ein und nach dem Abendessen im Café Umwalzer ging der Fotomarathon auch schon weiter. Diesmal war das Werk von außen dran, vielmehr der beleuchtete Teil. Eigentlich sollte das Werk von mehreren Seiten beleuchtet sein, jedoch war, wohl aus Spargründen, nur an einer Stelle die Kulisse farbig illuminiert. So versuchten 20 Leute an 20 Metern Zaun ihre Stative aufzubauen. Aber zur Beruhigung: Es ging unblutig aus.

Ein Teil der Gruppe machte sich dann noch auf zu einer Stelle, an der man den Abstich des aktiven Stahlwerks sehen konnte. Abwechselnd schoss eine Gasflamme in den Nachthimmel oder der rote Feuerschein des flüssigen Stahls drang durch die Schwärze der Nacht, bevor der glühende Stahl in Eisenbahnwaggons abtransportiert wurde. Zum Tagesausklang gab es noch einen Schlummertrunk in der Hotellobby. Wobei der „Ausklang“ ein Alleinunterhalter eines „Kegelvereins“ war, der auch im Hotel nächtigte.

2015_Völklingen_Thomas_Bartsch_1Am nächsten Tag fuhren wir nach einem reichhaltigen Frühstück zum Erlebnisort in Schiffweiler-Reden. In diesem ehemaligen Bergwerk gibt es unter anderem die „Wassergärten“, die Entwässerung der Bergwerksstollen, zu sehen. In mehreren Becken wird das aus 800 Metern Tiefen gehobene und bis zu 32 Grad warme Grundwasser zu energetischen Zwecken gesammelt. Sichtmauern, einem Wasserspiel gleich, lassen den „Mosesgang“ entstehen. Die Becken sind mit Binsen und Seerosen bepflanzt, kleine bunte Aquarienfische tummeln sich im Wasser, und auch ein Reiher hat hier sein Zuhause. Darüber thronen zwei mächtige Stahlgerippe ehemaliger Werkhallen, die bizarre Spieglungen in den Regenpfützen der letzte Nacht tanzen lassen. Auch hier gab es zahlreiche Fotomotive zum Austoben, vor allem für Langzeitbelichtungen. Das Gelände war deutlich kleiner als am Tag zuvor, so dass es eine Kunst war, sich nicht gegenseitig ins Bild zu laufen.

Unter dem Skelett eines Dinosauriers in Originalgröße im ansässigen Dinomuseum genossen wir noch einen Kaffee, bevor wir die Heimfahrt antraten. Und schon da zogen wir nach diesem durch und durch harmonischen Wochenende eine positive Bilanz und allen war klar, im nächsten Jahr wird es wieder eine Wochenendfahrt geben.

Zitate

Nach meiner Ansicht kann man nicht behaupten etwas gesehen zu haben, bevor man es fotografiert hat.
Zola, Emile

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