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Die Bundesfotoschau war der Leistungswettbewerb der im VDAV (Verband Deutscher Amateurfotografen Vereine) organisierten Fotovereine. Dieser Dachverband besteht noch unter dem neuen Namen VDF Verband Deutscher Fotografen. Unser Club ist, mangels Beteiligung an den jährlichen Wett- bewerben, in den siebziger Jahren ausgetreten. Im Jahre 1960 aber entschlossen sich unsere 18 Mitglieder die alljährlich stattfindende Bundesfotoschau auszurichten. Termin 15.-30. Oktober 1960. Was sich unser Club, der ja erst ein paar Jahre bestand, für eine Arbeit aufgebürdet hatte, erfuhren wir erst in der Vorbereitungszeit. Der VDAV hatte damals 570 Vereine als Mitglieder. Diese reichten in großer Anzahl ihre Arbeiten ein. Doppelt so viel wie im letzten Jahr. Der Einsendeschluss war der 15. August. Schon 6 Wochen vorher begannen die Zusendungen. Die zahlreichen Päckchen und Pakete wurden ausgepackt, Fotos und Verpackung mit einer laufenden Nummer versehen. Nachgesehen ob der Inhalt mit der Meldeliste übereinstimmt und den Bestimmungen entspricht.

1. Bildmäßige Fotografie: bis 4 Fotos längste Bildkante 40 cm

2. Serienfotografie: bis zu 6 Bildtafeln 30 x 40 oder 4 Tafeln 50 x 60.

Ebenso wurde mit den Farbbildern verfahren: 4 Fotos kleinste Bildkante 18 cm oder 3 Farbdias. Dazu kamen Diaserien bis zu 12 Farbdias. Außerdem gab es noch 3 Gruppen der Jugendfotografie von 14 – 20 Jahre. Diese ganze Kontrollarbeit konnte nur in den Abendstunden und an Wochenenden stattfinden. Die Wochenarbeitszeit 1960 betrug noch weit über 40 Stunden. Außerdem mussten wir uns kümmern um: Ausstellungsraum (Schloß), Kostenvoranschlag, Versicherung, Einladungen, Bilder für Presse, Werbung, Plakate mit Entwurf und Vorbereitungen für den Verbandstag mit Tagungsraum und Programm. Die Riesenarbeit der Erstellung des Kataloges und ermitteln von Interessenten dazu, übernahm unser Mitglied Geo Schmitt mit damals noch jugendlichen Elan. Es musste kontrolliert werden, dass der Beitrag und die Einsendegebühr entrichtet waren. Als nächste große Arbeit kam die Juriehrung der 3400 Schwarz – Weiß, 300 Farbbilder und 800 Dias. Alle Bilder einer Gruppe wurden aufgelegt. Die Juroren gingen an den Fotos vorbei und drehten das ihnen zusagende Bild um.

Der Rest wurde abgetragen. Die übrigen Fotos wieder umgedreht u.s.w. u.s.w. Am Schluss mussten alle Bilder der Ausstellung mit Kleinbild reproduziert werden. Der von uns gewonnene Schirmherr OB Stein veranlasste in Verbindung mit dem VDAV und uns, dass in Anbetracht der Bedeutung der Fotografie eine„ Fotowoche 1960 „ veranstaltet wurde. Besonders die Jugend wurde aufgefordert mitzumachen. In dieser Woche gab es zahlreiche Vorführungen und Gespräche über Fotografie: Zauberei mit Licht, Stereoskopie, das tönende Fotomagazin und ein Fotoabend speziell für die Jugend mit Tanz und Lifeaufnahmen des Fernsehens, was in dieser Zeit etwas besonderes war.

Freitag vor der Eröffnung, während der Pressekonferenz, waren wir noch beim Aufhängen der Bilder, weil der Gewölbesaal des Schlosses ohne uns vorher zu verständigen, noch neu gestrichen wurde. Samstag 10 Uhr dann Ausstellungseröffnung, die große Beachtung fand. Bei seiner Begrüßungsrede verkündete OB Stein auch einen Fotowettbewerb der Stadt: „ 2000 jähriges Mainz „ mit schönen Preisen. Um 14 Uhr begann der sehr gut besuchte Verbandstag. Am Abend hatte der Fotoclub zu„ Weck – Worscht – Wein „ nach Hochheim eingeladen. Nachdem die ersten Weinproben auf dem Tisch standen und einige kabarettistische Einlagen mit echt Mainzer Humor über die Bühne gingen, war im Nu die nötige Stimmung da „ schrieb die Presse. Berichte der AZ über die Qualität der prämierten Fotos waren dagegen sehr kritisch. Der Sonntag brachte eine Fahrt durch den herbstlichen Taunus und Rheingau. Nach Ende der Ausstellung kamen die gezeigten Fotos wieder zu den nicht angenommenen und wurden in mühsamer Kleinarbeit verpackt und zurückgesandt. Soweit mein Überblick über einen der arbeitsreichsten Höhepunkte unseres Fotoclubs, der nur Dank dem totalen Einsatz aller Mitglieder zu einem Erfolg wurde.

Grußwort von Hans Spehs 1960

Seit dem Jahre 1908 treten die deutschen Fotoamateure jährlich einmal an die Öffentlichkeit und suchen Kritik und Anerkennung für das, was sie in den vergangenen zwölf Monaten gestaltet haben. Oft ist es ein mühsamer Weg von der Aufnahme bis zur Hängung in der Verbandsausstellung, und, wer wollte es verschweigen, ein bisschen Glück gehört auch hier zum Erfolg. Wir gratulieren den Preisträgern und hoffen, dass die in Mainz verliehenen Auszeichnungen zu weiteren fotografischen Leistungen den Ansporn geben. Den „Keller - Autoren’ zum Trost: Sie befinden sich - wie stets - in guter Gesellschaft. Unser Dank gilt allen, die zum Gelingen der Ausstellung beigetragen haben, insbesondere den zahlreichen Einsendern, dem Preisrichterkollegium sowie der Stadtverwaltung Mainz. Allen Gästen der Ausstellung wünschen wir einen angenehmen Aufenthalt in unserer Heimatstadt und einen erkenntnisreichen Rundgang durch die Bilderschau.

Hans Spehs Vorsitzender 1960
 

Bericht: Dieter Münzenberger

Zitate

Nach meiner Ansicht kann man nicht behaupten etwas gesehen zu haben, bevor man es fotografiert hat.
Zola, Emile

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